GEMEINDEHAUS Großhansdorf-Schmalenbeck Hamburg, 2021-25
Die aktive und engagierte Gemeinde in Großhansdorf-Schmalenbeck hat 2021 einen Wettbewerb zur Erweiterung und Neuorganisierung ihres Gemeindezentrums ausgelobt, welches das Büro WZ gewonnen hat.
Im Zentrum der Aufgabenstellung stand es Räume der Begegnung und Annäherung zu schaffen. Die Schaffung einer übergeordneten Möglichkeit für die kirchliche Gemeinde mit und für den Stadtteil wirken zu können. Sowohl das Ehrenamt übernimmt eine tragende Rolle als auch das Vielfältige Programm an lokalen Vereinen, Aktionstagen, das Engagement der jungen Gemeinde und das Miteinander ins Gespräch einer Vielzahl an Menschen der Gegend. Außerdem ist es der Gemeinde ein Anliegen Nachhaltigkeit in den Materialien, in der Nutzung des Bestandes und in der Lebensqualität herzustellen. Musik und Gespräche sind ein verbindendes Element, aber auch gemeinsames Kochen und Feste feiern, soll in kleinen und großen Kreisen möglich sein.
So entwickelt sich ein spannendes Projekt, welches den Bestandsbau von 1976 integriert sowie überspielt und zusammen mit der Kirche von 1955 einen neunen Platz kreiert. Dafür wurde der Erweiterungsbau von 1987 zurückgebaut und an seiner Stelle die Erweiterung und der Neubau mit einer deutlicheren Geste geplant. Die dadurch entstandenen Räume sind sowohl breiter, großzügiger als auch höher.
Der Entwurf formt einen dreiseitig gefassten Platz. Die Erweiterung lässt die gradlinige Sichtachse zum Kirchturm Bei den Rauhen Bergen weiterhin zu.
Der entstandene städtebauliche Freiraum ist Knoten und Drehkreuz für die verschiedenen Wege- und Sichtbeziehungen zwischen Bestand und Neubau. Die heute neue Eingangsposition sitzt an der Stelle des ehemaligen, überbauten Haupteingangsbereiches. Von dort gelangt man einerseits in die Funktionsräume, welche im Altbestand neu organisiert wurden. Andererseits sind es kurze Wege zu verschieden großen Veranstaltungsräumen.
Im Bestandsgebäude sind die Verwaltungseinheiten und Büros, eine große Gemeinschaftsküche, All-Gender Sanitäranlagen sowie ein barrierefreies WC mit Duschmöglichkeit untergebracht. Im Erweiterung- und Neubau ist ein Foyer im Sinne einer innenräumlichen Plaza entstanden. Dieses bietet mit einer raumhohen Teeküchenzeile zum Verweilen als auch zum gemütlichen Beisammensein vor und nach Veranstaltungen ein. Von hier ist es möglich in den großen Saal oder die Gemeinschaftsräume zu gelangen.
In das Obergeschoss kommt der Besucher sowohl über die Innentreppe, welche sich um den Aufzug abwickelt, als auch auf direktem Weg über die Außentreppe und die Dachterrasse. Diese kann nicht nur für gesellige Abende aus dem Jugendraum heraus bespielt werden, sondern bietet auch die Möglichkeit für kleinräumige Außenkonzerte- und feste. Im übergeordneten Sinn kann dieser Freiraum auch dem Platz zugeschlagen werden und als Empore für größere Veranstaltungen auf musikalischer und sprachlicher Ebene genutzt werden. Der Saal ist beidseitig lichtdurchflutet und lässt eine Beziehung zum klein- und großteiligen Außenraum zu. So können sommerliche Veranstaltungen mit dem Innenhof verbunden werden oder im kleineren Kreis auf der separateren Terrasse ein Ausklang zelebriert werden.
Der Jugendraum bietet Platz zum Ausbreiten und ist mit seinem direkten Zugang zur Dachterrasse gleichzeitig unabhängig sowie atmosphärisch introvertiert als auch mitten drin im Gebäudeensemble. Ebenso eine eigne Jugendküche und das Jugendbüro sind auf dieser Ebene zu finden. Die Steinauswahl zur Gestaltung der Fassade ist in Abstimmung mit dem Denkmalschutz präzisiert worden. Durch die Abstimmung auf die Farbigkeit der Kirche entsteht eine umgreifende Geste, die den Altbestand suptil umfasst und gleichzeitig ein neues Ensemble entstehen lässt. Die Andersfarbigkeit des Zwischenbaus wird durch einem Holzrankgerüst mit Kletterpflanzen übertönt.Innenräumlich wurde ein Linoleumboden mit leichten Einsprenkelungen verlegt. Die dunkle Färbung zieht sich auf den Arbeitsbereichen der sonst weißen Möbel durch. Auch der Parkettfarbton ist mit seiner Kakaofärbung in der gleichen Farbfamilie. Dadurch entsteht ein geerdeter Grundbelag.
Die Decken lassen die Tragkonstruktion der Erweiterung ablesen. Die sichtbare Holzstruktur taucht die Räume in eine warmes Ambiente. Die nötigen Schallabsorptionskörper wurden dafür in Teilen extra in der Vertikalen an der Decke befestigt. Ein Farbakzent empfängt den Besucher bereits im Eingangsbereich und verbindet sowohl den Altbau mit dem Neubau in der Horizontalen, als auch das Erdgeschoss mit dem Obergeschoss in der Vertikalen. Die Vielzahl an Möbelkörpern füllen teils Nischen aus, sodass glatte Wandabschlüsse entstehen konnten.
Ein wichtiger Aspekt in der Außenraumgestaltung ist die Entsiegelung von Flächen und eine erhöhte Aufenthaltsqualität via Kleinstelementen als auch die Möglichkeit größere Ereignisse trockenen Fußes und ohne Bedrängnis zu veranstalten. Die Pflasterung ist passend zum hellrotem Fassadenstein in Anklang an eine mediterrane und sommerliche Späre gewählt worden. Dazu ermöglichen Sitzblöcke in Form von Pflanzinseln kurze oder längere Aufenthalte für Gespräche. Sie lassen gelichzeitig jedoch den Bewegungsfluss der Fußgänger durch und damit auch eine Wechselbeziehung zu den Verschiedenen auch sekundären Ausgängen.
Eine Auswahl von klimaresilienten Baumarten, einer feinen Auswahl an jahreszeitlich versetzt blühenden Stauden, gemischt mit farblich abgestimmten Geophyten und einer gemischten Bepflanzung am Rankgerüst ergeben eine Vielzahl an außenräumlichen landschaftsgestaltenden Bereichen. Damit trägt dieses Projekt zusammen mit dem grünen Daumen der Gemeindemitglieder einen inspirierenden Beitrag zu mehr Artenvielfalt, Entstehung von Kleinbiotopen und einer neuen Art der Entstehung von Verweilmöglichkeiten bei.
In die Konzeptfindung + Planung einbezogen:
Tragwerk/ Energiekonzept: Carolan-Pöhls, Hamburg; Sumbi Ingenieure, Hamburg Schallschtz: Lärmkontor, Hamburg
Fassade/Gebäude: Smolenski, Raben Steinfeld; Tischlerei Dierks, Zernien; Holzbau Pagels, Bad Segeberg
Möblierung: Hans Beyer Tischlerei, Oststeinbek
Bauzeit: 2023-2024
- TYPOLOGIE
- Aktuelle
- Kirchliche bauten